2018

Aus der Sindelfinger Zeitung (SZBZ) vom 14. Juni 2018

Aus der Kreiszeitung (Böblinger Bote) vom 13.6.2018

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„Bodelfinger Wasen“ lautete das Motto des Sommerfestes der Bodelschwingh-Schule in Sindelfingen. Auf dem Schulfest feierte der Förderverein der Schule sein 25-jähriges Bestehen.

Artikel vom 13. Juni 2018 – 17:24

SINDELFINGEN (red). In der Geisterbahn ging es gruselig zu. An Spiel- und Wurfbuden und bei einer Tombola des Fördervereins mit vielen Preisen konnten kleine und große Leute ihr Glück testen. Süßwaren und Snacks wurden auf dem Jahrmarkt angeboten. Und auch verschiedene Darbietungen wie ein Theaterstück und ein Kino sollten nicht fehlen. Die Schulband „Fame“ bereicherte das Fest mit ihrer Musik.

Außerdem feierte der Förderverein der Bodelschwingh-Schule sein 25-jähriges Bestehen. Die Vorsitzende Katharina Weber hieß die Gäste willkommen und blickte auf 25 Jahre zurück, in denen der Förderverein auf vielfältige Weise die Bodelschwingh-Schule und den Bodelschwingh-Kindergarten unterstützt hat – bei kulturellen Veranstaltungen, bei Schullandheimen, bei Geburtstagsgeschenken für die Kinder und bei der Anschaffung eines neuen Schlagzeugs für die Schülerband. Schulleiter Albrecht Gall bedankte sich für die Unterstützung durch den Verein der Freunde und Förderer.

Das bunte Treiben wurde zum großen Teil von den Schülern in einer vorangehenden Projektwoche selbst vorbereitet und mitgestaltet. Da wurde fleißig gehämmert, gemalt, gekocht, geprobt, um dem „Bodelfinger Wasen“ ein Gepräge zu geben.

Die Bodelschwingh-Schule ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Sie umfasst Schule, Schulkindergarten und Frühberatungsstelle. Träger ist der Landkreis Böblingen. Die Schüler(innen) kommen aus Sindelfingen, Grafenau, Aidlingen und Magstadt.

Aus der Sindelfinger Zeitung (SZBZ) vom 27. Februar 2018

Barrieren abbauen mit Theater

Sindelfingen: Gemeinsames Projekt der Realschule am Goldberg und der Bodelschwinghschule

Theaterspielen bringt Menschen zusammen. Das wissen die Schüler der Realschule am Goldberg, gibt es doch schon seit 17 Jahren jedes Jahr ein Musical. So verwundert es nicht, dass sich die Klasse 8a zusammen mit Klassenlehrerin Jennifer Lang auch für das themenorientierte Projekt „Soziales Engagement“ ein Theaterstück vorgenommen hat.

Eine Woche lang übten die Schüler gemeinsam mit der Theatergruppe der Bodelschwingh-Schule und deren Lehrerin Nadine Redeker Roald Dahls „Sophiechen und der Riese“. Schüler mit einer Behinderung und Schüler ohne Behinderung ließen sich auf ein Abenteuer ein. Ein großes Ziel war geplant: Am Ende der Woche sollte ein fertiges Theaterstück stehen.

Nach einem kurzen Warm-up ging es sofort in die einzelnen Gruppen. Je nach Neigung konnten die Schüler mit dem Techniklehrer Ulrich Mundt-Tichy Requisiten anfertigen, am Stück proben oder das Bühnenbild gestalten. Gemeinsam mit der Musical-AG-Lehrerin Andrea Abendschein wurden Kostüme aus dem Fundus ausgewählt, Rollen festgelegt und Szenen geprobt. Bei der Generalprobe am Mittwoch unterstützte die Musiklehrerin Monika Bartelt die Theatergruppe durch musikalische Untermalung.

Das Stück handelt von dem mutigen Waisenmädchen Sophiechen, das vom guten Riesen GuRie aus einem englischen Waisenhaus geraubt wird. Zunächst von Angst zerfressen gewinnt Sophiechen Vertrauen zum Riesen und besiegt letztendlich gemeinsam mit ihm die Bösewichte des Riesenlandes. Vertrauen gewannen auch die beiden Schülergruppen zueinander.

Nach dem täglichen, intensiven Proben und Vorbereiten fielen die vermeintlichen Unterschiede bald nicht mehr auf. „Der Weg zum Stück war hier eigentlich das Ziel“, sagt die Klassenlehrerin der 8a, „beide Aufführungen waren klasse, aber vor allem ging es um den Kontakt von Schülern ohne und mit einer Behinderung.“ Dabei habe die Toleranz, Offenheit und Freundlichkeit aller Beteiligten sie immer wieder motiviert.

Auch wenn es nicht immer einfach war, freuen sich die Schüler schon auf ein Wiedersehen. Denise aus der 8a fasst das Projekt abschließend zusammen und meint: „Aus diesem Projekt haben wir gelernt, wie man mit Kindern mit einer Behinderung umgeht, und dass man stets freundlich und geduldig sein muss, auch, wenn man manchmal am liebsten „ausflippen“ würde.“

Grund zur Freude hatte dann das Publikum: Nachdem alle Holzschwerter ausgesägt, die letzten Pinselstriche am Bühnenbild gemalt und die Bühne im Klassenzimmer aufgebaut war, fand die erste Aufführung in der Realschule am Goldberg statt. Und auch bei der zweiten Aufführung in der Turnhalle der Bodelschwingh-Schule war das Theaterstück ein voller Erfolg.

Schüler der Realschule am Goldberg und der Bodelschwinghschule haben gemeinsam das Stück „Sophiechen und der Riese“ erarbeitet und auf die Bühne gebracht. Bild: z

2017

Aus der Kreiszeitung (Böblinger Bote) 25. Januar 2017

Sindelfinger Schulband Fame im Finale

Band der Bodelschwinghschule Sindelfingen spielt bei „Schooljam“ in Stuttgart

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    Die Bodelschwingh-Schulband Fame beim Auftritt im Sindelfinger Pavillon im Frühjahr 2016. Am Bass (zweiter von rechts): Lehrer Jens Lindmaier Foto: Archiv

Artikel vom 25. Januar 2017 – 18:54

SINDELFINGEN/STUTTGART (red/edi). Fame heißt die Schülerband der Sindelfinger Bodelschwingh-Schule. Diese Schule kümmert sich um Kinder mit Entwicklungsverzögerung oder geistiger Behinderung.

Die Band besteht aus acht Mitgliedern: Lehrer Jens Lindmaier spielt Bass, die übrigen Parts übernehmen Schüler. Es gibt zwei Sänger, einen Gitarristen, eine Schlagzeugerin, eine Keyboarderin sowie zwei Cajon-Spieler. „Uns gibt es jetzt seit drei Jahren. Wir schreiben alle Lieder selbst“, berichtet Jens Lindmaier. „Die Schüler hatten vorher noch keine Erfahrungen an den Instrumenten. Das haben sie alles beim Proben erlernt“, erzählt der Lehrer.

„Fame“, das heißt auf Deutsch Ruhm – und im Moment sieht es tatsächlich so aus, als wäre die Musikformation auf dem Weg nach oben: Die achtköpfige Band hat es nämlich ins Finale des Wettbewerbs „Schooljam“ geschafft und darf deshalb am 7. Februar im Stuttgarter Club Zentral gegen sieben weitere Bands antreten.

„Wir haben uns mit einer Song-Aufnahme bei dem Wettbewerb beworben und wurden von einer Jury ausgewählt“, erzählt Jens Lindmaier. Im Club Zentral darf Fame nun also am Dienstag in zwei Wochen zwei Songs präsentieren. Der Einlass zum Konzert ist bereits um 15.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

2016

Aus der Sindelfinger Zeitung (SZBZ) vom 30.11.2016

Sindelfingen: Amtseinsetzung des Schulleiters Albrecht Gall in der Bodelschwinghschule / Als Zivildienstleistender hier begonnen

Seit September hat die Bodelschwinghschule einen neuen Rektor. Jetzt wurde Albrecht Gall in sein Amt eingesetzt. Selbst bei solch offiziellen Anlässen geht es in dieser Sindelfinger Sonderschule viel besonderer zu als anderswo.

Die Schulband „Fame“ brachte die Versammlung erst einmal laut und lustig in Stimmung. Schulamtsdirektorin Angela Huber verglich das Bild, das die Kinder für die Einladung gemalt hatten, mit einem Passfoto Galls von 1998: „Es ist dasselbe freundliche Gesicht.“ Interessant an der Vita des geborenen Böblingers ist, dass er an der Körperbehindertenschule seinen Zivildienst leistete und diese Schule auch sein erster Dienstort wurde. Danach machte er Karriere als Lehrbeauftragter am Staatlichen Seminar, bevor er nach Sindelfingen zurückkehrte. „Das freut uns sehr“, so Huber.

Die Kinder der Bodelschwinghschule offensichtlich auch, denn sie hatten große Tücher mit Sonnen bemalt und alle guten Wünsche für ihn darauf geschrieben. Landrat Roland Bernhard interpretierte die sechs Sonnen auf der Einladungskarte auf seine Weise: „Die Bodelschwinghschule betont die Augenhöhe zwischen allen Partnern. Sie ist eine Schule mit viel Kreativität, die immer wieder neue Wege geht. Sie ist die älteste Sonderschule, denn hier wurde vor 55 Jahren Unterricht gemacht, als geistig behinderte Kinder noch als unbeschulbar galten.“

Sie sei auch eine kampferprobte Schule, denn sie hat sich 1993/94 erfolgreich gegen ihre Schließung gewehrt. Und diese Schule habe immer talentierte Schulleiter.

Eine ist die kampferprobte Christel Siegert, die im Sommer in den Ruhestand ging. Albrecht Gall, der in ihre Fußstapfen tritt, sei als kirchlich verwurzelter Mensch der Richtige, eine nach Pastor Friedrich von Bodelschwingh benannte Schule zu führen.

Das Lehrerkollegium hatte ihn beobachtet und sich zur Musik von Jens Lindmaier einen Rap darauf gemacht: „Er ist besonnen und strukturiert.“

Konrektorin Annegret Rauser-Dreiling ergänzte: „Wir haben beobachtet, analysiert und interpretiert und eine große Offenheit und wertschätzende Grundhaltung festgestellt. Die Tür zum Rektorat steht gefühlt zu 75 Prozent offen und nach kurzer Zeit kannte er die Namen aller Mitarbeiter und Kinder und war bei den Schülern sehr beliebt. Deshalb die sechs Sonnen nur für Dich.“

Er habe auch gleich bemerkt, dass das Dach undicht ist, nachdem er über den Eimer im Obergeschoss gestolpert war. Das sei eine der nächsten Aufgaben des Schulleiters neben all den Visionen, die er für die Entwicklung der Schule habe, erwiderte Albrecht Gall. Er ging auch auf die Erwartungen der Elternschaft ein, die Katharina Weber vorbrachte: „Wir möchten gehört werden.“

Albrecht Gall dankte allen, die im Netzwerk rund um die Bodelschwinghschule helfen, dass diese Kinder – „lauter starke Typen“ – eine möglichst selbstbestimmte Teilhabe am Leben erreichen. Dazu brauche es starke Lehrer und Schulleiter, die die Lernformen weiterentwickeln und sich gegenseitig unterstützen.

Aus der Sindelfinger Zeitung (SZBZ) vom 11.07.2016

„Wir werden Dich vermissen“

Sindelfingen: Abschied von Christel Siegert an der Bodelschwingh-Schule

Mit einem Schulfest hat Rektorin Christel Siegert ihren Berufsweg an der Bodelschwingh-Schule beendet. Neben ihren Vorgesetzten und den Schulleitern der umliegenden und kooperierenden Schulen haben sie vor allem ihre Kinder und ihr Kollegium herzlich verabschiedet.

Christel Siegert scheint früh ihre Berufung erkannt zu haben. Schon ihr Referendariat als Grund- und Hauptschullehrerin absolvierte die Stuttgarterin an der Sprachheilschule in Sindelfingen und hängte ein pädagogisches Zusatzstudium für geistig behinderte Kinder an. 1982 begann sie an der Bodelschwingh-Schule, richtete vier Jahre später die Frühberatung für entwicklungsverzögerte Kinder ein und installierte 1987 die Fachberatungsstelle für Eltern solcher Kinder mit komplizierten Problemen. 1992 wurde sie Schulleiterin dieser Sonderschule, eine der ersten in Deutschland.

Christel Siegert sei nach 34 Jahren Bestandteil dieser Schule mit 50 Kindern, sagte auch Landrat Roland Bernhard. Als Schulträger seien ihm die Sommer(-hofenstraßen)schulen lieb und teuer. Eine Krise, wie 1993/94, als der Kreis die Schule von der Stadt Sindelfingen übernahm, werde es nicht mehr geben. „Sie dürfen sicher sein, dass sich der Landkreis auch weiterhin für das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum als wichtiges Angebot neben der Sprachheilschule und der Winterhaldenschule einsetzen wird.“

Bei den Schulkindern und Eltern hieß der häufigste Satz: „Wir werden Dich vermissen.“ Die Vorsitzende des Fördervereins, Katharina Weber, dankte der Rektorin, dass sie vor 23 Jahren den Verein gründete, um die Schließung der Schule zu verhindern.

Aus der Sindelfinger Zeitung (SZBZ) vom 6.08.2016

„Schulleiterin wollte ich nie werden“

Das Porträt: Christel Siegert war 34 lang Schulleiterin der Bodelschwingh-Schule in Sindelfingen / Schon mit 15 Jahren fand sie Zugang zu geistig behinderten Menschen

Am ersten Ferientag ist das Büro von Christel Siegert nur mit Vorsicht zu betreten. Es liegen bunte Luftballons herum und manchmal platzt einer. Die gerade verabschiedete Schulleiterin der Bodelschwingh-Schule erklärt: „Gestern um halb acht war kein Mensch da, kein Lehrer, kein Kind. Ich habe sie im ganzen Haus gesucht und sogar in der Sommerhofenschule gefragt, ob sie sich dort versteckt hätten. Nichts. Nur ein Sprachgerät sagte auf Knopfdruck: ‚Bitte warten.‘

Um 8.10 Uhr fuhr der Schulbus vor mit einem Lehrer und fünf Schülern, alle mit Sonnenbrillen wie Mafiosi. ‚Frau Siegert, bitte steigen Sie ein.‘ Sonst kein Wort. Nicht mal Marcel hat etwas gesagt, der sonst immer redet. Wir fuhren ins Eichholzer Täle. Da standen alle: Lehrerkollegium, Sekretärinnen, Küchenpersonal, Kinder, sogar die Kindergartenkinder, und machten ein Riesengeschrei. Dann sangen sie das Abschiedslied und schenkten es mir auf einer CD. Und von jeder Klasse bekam ich ein Poster. Ich habe fast geweint.“

Kein Wunder, Christel Siegert verlor schon mit 15 Jahren ihr Herz an geistig Behinderte. Es begann im Täle. Ihre Eltern schickten sie zur Stadtranderholung, die sie wegen des Mittagsschlafs hasste. „Ich wartete auf meinen 15. Geburtstag, um Jüngere zum Mittagsschlaf schicken zu können.“ Zur Vorbesprechung mit Pfarrer Edmund Becker kam sie zu spät und meldete sich deshalb, als er fragte, wer der etwas abseits stehenden Dame helfen würde. „Damit war ich in der Gruppe für geistig Behinderte im Zwergenhäusle. Es war so toll mit den Kindern, dass ich mich im nächsten Jahr sofort wieder dazu einsetzen ließ. Und in der Schule schrieb ich einen hoch motivierten Aufsatz gegen Euthanasie.“

Ihr Vater war Lehrer und erreichte, dass sie im jetzigen HASA-Gebäude, das für die geistig Behinderten gebaut worden war, hospitieren durfte. Doch dass sie gleich Sonderpädagogik studierte, davon riet er ab. So wurde Christel Siegert zuerst Grund- und Hauptschullehrerin und arbeitete zweieinhalb Jahre an der Sprachheilschule.

Dann setzte sie die Sonderpädagogik drauf. „Dabei weiß ich heute, dass ich nicht zurückgehen könnte.“ Ihre erste Arbeitsstelle war die Bodelschwingh-Schule in Stuttgart. Nach eineinhalb Jahren kam sie an ihre Traumschule in Sindelfingen. „Nur Schulleiterin wollte ich nie werden.“ Aber als die Stelle vakant war, bewarb sie sich doch und musste gleich gegen die Schließung kämpfen. Die Schule war kurz zuvor von der Stadt an den Landkreis gegangen. Der hatte nun vier Schulen für geistig Behinderte. Und da die Sindelfinger die kleinste war, wollte er die Kinder auf die anderen verteilen. Mithilfe der Fraktionen, Interviews in Radio BB und Leserbriefen war das Problem nach einem Dreivierteljahr vom Tisch.

„Bis auf die Lehrerversorgung lief alles positiv“, schaut Christel Siegert auf 34 Jahre zurück. „Die Arbeit mit den Kindern und dem Kollegium hat mir immer Spaß gemacht, weil alle an einem Strang ziehen. Am schwierigsten sind die Eltern, wenn ihr Kind in die Sonderschule soll.“ Die Rektorin sorgte für gutes Betriebsklima, „denn sonst kann man nicht lernen“. Apropos lernen: Die behinderten Kinder gehen wie alle anderen zwölf Jahre zur Schule, erhalten aber nur ein „Entlasszeugnis“, das sie auf eine Stufe stellt mit Schulabgängern ohne Abschluss. Das findet Christel Siegert nicht in Ordnung, „denn die Kinder lernen gern, setzen sich selbst Ziele und machen unter sonderpädagogischer Führung Fortschritte“.

Auch die moderne Technik ist in die Förderschulen eingezogen. Tablet-Computer und kleine und große Taster helfen Kindern, die nicht sprechen können. Auf den Taster wird ein Satz gesprochen und das Kind haut bei Bedarf nur drauf. Die Computer haben größere Tasten und ein Gitter darüber, damit die Finger nicht daneben rutschen.

Einmal im Monat trifft sich die ganze Schule, um Gebärden zu einem bestimmten Thema einzuüben. Die Klasse, die dies ausrichtet, erfindet dazu noch ein Lied oder Rätsel. „Die Kinder kommen oft mit umwerfenden Bonmots“, erzählt Christel Siegert. „Während des Jugoslawienkriegs fragte ich einen Jungen: ‚Ihr habt doch ein Haus in Kroatien. Habt ihr nicht Angst, dass etwas passiert?‘ ‚Nein‘, sagte er, ‚wir haben es abgeschlossen.‘ Sie sind auch clever, um ihre Wünsche durchzusetzen. Und wenn die Ferien beginnen, weinen einige, weil sie ihre Freunde für einige Zeit nicht sehen.“

Für Christel Siegert begannen nun auch die Ferien. Sie weint nicht, sie will erst einmal ausschlafen. Und dann lesen und verreisen, „Städtereisen, ich kenne Norddeutschland gar nicht.“ Später will sie sich bei der Lebenshilfe engagieren und Oma spielen.

Nach 34 Jahren an der Sindelfinger Bodelschwingh-Schule heißt es für Rektorin Christel Siegert nun Adieu sagen. In der Hand hält sie einen sogenannten Taster, ein Hilfswerkzeug für Kinder, die nicht sprechen können.

2011/2012 – unser Jubiläumsjahr

Jens Rimpp hat die Ausbildung schon in der Tasche

Aus der SINDELFINGER ZEITUNG (SZBZ) vom 27.07.2012
Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Schatz

Zum Abschluss des 50-jährigen Jubiläum feierten gestern drei Schüler aus der Bodelschwingh-Schule ihren Abschied ins Berufsleben. Ihre Ziele sind unterschiedlich: Während Marc Proksch Gärtner werden will, fängt Jens Rimpp eine Ausbildung im hauswirtschaftlichen Bereich an.
Ein ganz neuer Lebensabschnitt steht Angela Koch, Marc Proksch und Jens Rimpp bevor. Nach zehn und elf Jahren an der Bodelschwingh-Schule für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung wurden sie gestern offiziell ins Berufsleben entlassen.
Dank der vielen Praktika, die die drei Jugendlichen in der Berufsschulstufe gemacht haben, haben sie auch schon einen konkreten Plan wie es jetzt nach der Schule weitergehen soll. „Ich möchte im hauswirtschaftlichen Bereich arbeiten“, sagt der 17-jährige Jens Rimpp.

„Dafür mache ich jetzt eine Ausbildung im Anne-Haag-Haus und wohne in Stuttgart im Internat.“ Er freut sich auf die Zeit nach der Schule und ist sich sicher, dass ein Beruf in einer Küche oder Wäscherei perfekt für ihn wäre.
Auch die 19-Jährige Angela Koch geht ins Anne-Haag-Haus, ein Mehrgenerationenhaus in Stuttgart. Allerdings besucht sie dort eine Berufsvorbereitungsklasse und kann danach vielleicht an der Mildred-Scheel-Schule eine Ausbildung machen.

Einen Traumberuf hat sie nicht, dafür aber schon viel Erfahrung: Seit einem Jahr hilft sie in einem Böblinger Kindergarten in der Küche aus. „Besonders freue ich mich über die Geschenke, die mich an die Schule erinnern sollen. Und vielleicht komme ich bald mal wieder zu Besuch“, sagt sie.
Im Gegensatz zu ihr weiß Marc Proksch ganz genau was er werden möchte: Gärtner. „Ich habe da schon ein Praktikum gemacht und es hat mir sehr gefallen“, erzählt der 18-Jährige. Deswegen wird er ab nächstem Schuljahr in einer Werkstatt der Gemeinnützigen Werk- und Wohnstätten anfangen. Von seinen Mitschülern wird er als sehr fröhlich und hilfsbereit beschrieben. „Marc hilft mir immer, wenn ich traurig bin“, sagt ein Mädchen.
Bei Thomas Götz, dem Klassenlehrer der Berufsschulstufe wurden die drei zusammen mit ihren Mitschülern auf das Berufsleben vorbereitet. „Die Schüler machen mehrere Praktika, um sich zu orientieren“, erzählt er. „Gemeinsam machen wir auch ein Mobilitätstraining, sodass die Schüler alleine Bus und Bahn fahren können. Außerdem üben wir, zu kochen und zu putzen, in einer Trainingswohnung.“ Er erklärt auch, dass die Langzeitpraktika oftmals die einzige Chance für die Jugendlichen sind, einen Beruf zu finden.
Zur Abschiedsfeier hatten zwei Klassen ein Lied und eine Tanzeinlage vorbereitet. Ihre Mitschüler aus der Berufsschulstufe hatten einen Film für die drei Abschlussschüler gedreht, in dem viele Schüler und Lehrer zu Wort kamen, um ihnen Glück zu wünschen. „Ich wünsche euch viel Spaß, und dass ihr viele Freunde findet“, hieß es da zum Beispiel. Oder: „Wir werden euch sehr vermissen.“
Und damit sie nicht alles sofort vergessen, bekommen die drei Abschlussschüler noch allerhand geschenkt. Von ihren Klassenkameraden gibt es einen starken Kerl, der mit guten Wünschen beschrieben ist und von den Lehrern ein Buch mit Fotos aus ihrer Schulzeit und einen Dauerkalender mit den Geburtstagen ihrer Freunde.
Der Entlass der drei Schüler ins Berufsleben bildet gleichzeitig den Abschluss des 50-jährigen Jubiläums der Schule. Deswegen gibt es zum Ende der Feier auch eine 50 aus Schokoküssen, die alle zusammen essen.

Aus der Kreiszeitung (Böblinger Bote) vom 21.10.2011

aus der Kreiszeitung (Böblinger Bote) vom 26.10.2011:

„Eine frohe Kunde schallt in die Welt hinaus“

Bodelschwinghschule in Sindelfingen wird 50: Auftakt zum Reigen der Jubiläumsfestivitäten gestern auf dem Marktplatz
Von Werner Held

Schüler und Lehrer der Bodelschwingh- schule wollen, dass alle Welt weiß, dass ihre Einrichtung im Laufe dieses Schuljahrs 50 wird. Deshalb ließen sie gestern zum Auftakt der Jubiläumsveranstaltungen auf dem Sindelfinger Marktplatz Luftballons steigen. Und auch Marktbesucher wurden mit der frohen Kunde konfrontiert. Von Werner Held

SINDELFINGEN. Blau, rot und orange sind die Luftballons, die in zwei Pavillons darauf warten, dass sie in die Höhe steigen dürfen. Sie tragen die Farben des Schullogos. Die geistig behinderten Kinder und Jugendlichen, deren Namen auf
den Karten an den Ballons stehen, sind gerade im Anmarsch. Als jeder Schüler seinen Luftballon in der Hand hat, tritt Rektorin Christel Siegert ans Mikrofon.
„Wir feiern Geburtstag!“, schallt es über den Marktplatz – erst nur aus dem Mund der Schulleiterin, bei der Wiederholung stimmen auch Schüler und Lehrer ein. „Wir sind die Bodelschwinghschule!“, tönt es über den Platz. Und weil die Sache mit dem Geburtstag der Bodelschwingh-Schule alle Welt wissen soll, lassen die jungen Leute die bunten Luftballons steigen. Sie blicken ihnen sehnsüchtig nach, bis
sie nicht mehr zu sehen sind.Dann konzentrieren sie sich auf ihr unmittelbares Lebensumfeld. Die Schüler der Hauptstufe schwärmen in Gruppen aus und suchen anhand von Fotos Läden und Einrichtungen rund um den Marktplatz. Dort tauschen sie ihre Jubiläumskarte gegen ein Puzzleteil ein. Die Schoko-Zentrale ist schnell gefunden. Doch Friseur Eipper in der Planie stellt die Kinder vor ein Rätsel. Wie gut, dass auch Erwachsene unterwegs sind, die sie fragen können! Erwachsene Menschen ansprechen müssen auch die Schüler der Berufsschulstufe. Sie haben Fragen vorbereitet, mit denen sie ergründen wollen, was Passanten über die
Bodelschwinghschule wissen. Doch es ist gar nicht so einfach, eilige Marktbesucher zum Stehenbleiben zu bewegen. „Haben Sie dieses Logo schon einmal gesehen?“, fragen drei Schüler eine Frau. Sie kann es der Bodelschwinghschule zuordnen und weiß auch sonst gut Bescheid. Wer da noch Lücken hat, dem geben die Schüler am Ende des Interviews ein Kurzporträt ihrer Schule.Auf dem Marktplatz unterwegs sind auch die Unterstufenschüler. Sie
wollen für ein gemeinsames Frühstück einkaufen. Sie klappern die Stände ab und schauen, was ihnen schmecken könnte. Beim Metzger stellen sie sich in die Schlange, um Salami und Lyoner zu kaufen.

An den Pavillons auf dem oberen Marktplatz sind die ersten Puzzleteile-Sammler eingetroffen. Sie machen sich gleich dran, die bunten Sperrholzplatten
aneinanderzufügen. Schnell wird klar, dass etwas Rundes daraus entsteht. „O wie Opa!“, ruft ein Schüler stolz. Doch es treffen weitere Kinder mit Puzzleteilen ein. Also kann das vermeintliche O nicht alles sein. Es wird probiert, geschoben und ausgetauscht. Zwischendurch muss das, was bereits passt, auch noch für die zahlreichen Fotografen günstiger positioniert werden. Endlich schält
sich die Kontur einer 5 heraus. Damit ist klar, dass mit dem Runden nicht der Buchstabe O, sondern die Ziffer 0 gemeint ist: Die Schüler haben das Alter ihrer Schule zusammengetragen und -gelegt. Zur Belohnung gibt’s am Ende der Jubiläumsauftaktaktion ein (zweites) Frühstück. Schulleiterin Christel Siegert hat Wolfi Knote angehauen, weil ihre Schüler von den Schnittchen, die er bei anderen
Gelegenheit aufgetischt hatte, so begeistert waren. Und Knote ließ sich nicht zweimal bitten und sorgt – unterstützt von seinen Freunden vom Kiwani’s Club, der auch die Zeche begleicht – für einen gesunden Imbiss. Die Rektorin ist von
der Aktion „50 Jahre in 50 Minuten“ sehr angetan.

Und die Kinder werden sich sicher auch gerne an ihren öffentlichen Auftritt erinnern, vor allem wenn sie auch noch die eine oder andere Karte von den Luftballons zurückgeschickt bekommen.

2009

aus der Kreiszeitung (Böblinger Bote) vom 8.4.2009

2008

aus der Sindelfinger Zeitung (SZBZ) vom 21.04.2008:

Stolz auf Fleiß und Kreativität

Von unserem Redakteur Roman Steiner

Mit einem gemeinsamen Fest haben die Sindelfinger Bodelschwingh-Schule und der Kindergarten das Ende der Projektwochen gefeiert. Hierbei wurde auch offiziell das neue Logo der Schule vorgestellt.

In sechs Projektgruppen hatten die geistig behinderten Bodelschwingh-Schüler zehn Tage lang das Schulfest vorbereitet (die SZ/BZ hat berichtet). Das Besondere daran war, dass sie zusammen mit anderen Schulen wie Martinsschule oder Grundschule im Eichholz daran gearbeitet haben. In fröhlicher Atmosphäre haben die großen und kleinen Kinder beim Fest voller Stolz gezeigt, wie fleißig und kreativ sie gewesen sind.

Fliesen und Computer

„Die allerwichtigsten Personen – unsere Kinder“, nannte Rektorin Christel Siegert ihre Schützlinge, deren Arbeit sie in ihrer Begrüßungsrede besonders lobte. Besucher des Fests konnten denn auch die Erzeugnisse der Schüler erwerben und mit nach Hause nehmen. Darunter lustige kleine Gärtner aus Holz für Balkon oder Garten, ebenso Glücksklee, aber auch T-Shirts oder Vesperdosen mit dem neuen Logo, und natürlich gab es auch Nahrhaftes in fester und flüssiger Form.

Neben der Spielstraße konnten im Computerraum Bilder der Projektwoche angeschaut werden, es gab einen Balancier-Parcours, Fliesen zum Selbstgestalten und Informationen vom Förderverein der Schule wie auch der Lebenshilfe Sindelfingen.

Auch auf prominenten Besuch musste das Fest nicht verzichten. Der Maichinger Ex-Radsportprofi Gerd Dörich kam als Repräsentant des Kinderhilfsvereins „Aktion 2000“ in Bremen, der die Sindelfinger Bodelschwingh-Schule auch finanziell unterstützt. Zum Beispiel beim Bau des Spielplatzes für Kindergarten und Frühförderung.

Sichtbares Zeichen bleibt

Bei der offiziellen Enthüllung des neuen Logos, das in Zusammenarbeit mit der Tübinger Werbeagentur „Die Kavallerie“ entstanden ist, wurde Rektorin Siegert unterstützt von den beiden Schülern Mark Proksch und Fabian Scheuer. Bereits letzte Woche hatte es die Schule auf einem Stand auf dem Wochenmarkt vorgestellt.

Als sichtbares Zeichen für die Projekttage wird auch lange nach dem Schulfest bleiben, was die „Säulengruppe“ erstellt hat. Bunte Mosaike an den Betonsäulen erinnern alle Besucher fortan an die Kreativität der Schüler. (Siehe auch Kommentar auf Seite 9.)

Die neue Homepage der Bodelschwingh-Schule steht seit wenigen Tagen unter www.bss-sifi.de im Netz. Und unter www.kinderhilfe-2000.de stehen ebenfalls Informationen.

aus der Sindelfinger Zeitung (SZBZ) vom 19.04.2008

Sindelfingen: Schüler der Bodelschwinghschule begeistern in fremden Klassenzimmern

Spieleparcours überwindet Grenzen

Von unserer Mitarbeiterin Xenia Fischbach

Geistig behinderte Schüler der Bodelschwinghschule Sindelfingen sorgen mit ihrem selbstgebauten Spieleparcours an anderen Schulen für Begeisterung. So auch an der Sindelfinger Martinsschule.

“Es ist das erste Mal, dass wir unser Projekt an andere Schulen bringen,“ sagt Ulrike Habermann, Lehrerin der Bodelschwinghschule. Neun Tage lang arbeiteten die 48 Schüler in Kleingruppen. „Treffpunkt Spiele“ ist eines der sieben Projekte, auf die die Schüler verteilt sind. „Die Schüler mussten selbst überlegen, was für Spiele man aus vorgegebenen Materialien herstellen kann“, sagt Ulrike Habermann. Ein Hintergedanke dieser Projekte war es, sich selbstständig etwas auszudenken und die eigenen Ideen umzusetzen ­ ganz nach einem der Leitgedanken der Schule, der die Selbstständigkeit der Schüler als Ziel formuliert.

“Wir gehen mit unseren Spielparcours auch deshalb an andere Schulen, damit sich die Schüler persönlich kennen lernen“, so Ulrike Habermann. Bisher haben die Schüler eher flüchtigen Kontakt zu den Altersgenossen an anderen Schulen. „Natürlich hätten wir auch gemeinsame Unterrichtsstunden anbieten können. Aber durch das Spielen knüpfen die Kinder leichter und schneller Kontakt zueinander.“

Acht Schüler von der Unter- bis zur Oberstufe der Bodelschwinghschule erklären als Projektleiter den Schülern der Martinsschule Sindelfingen die Spielstationen. Vom Laufen über Hürden mit Medizinbällen, Pedalofahren, bis hin zum Tennisballwerfen gibt es reichlich Abwechslung. Den Kindern machen die Stationen sichtlich Spaß. So war es zuletzt auch an der Grundschule im Eichholz: „Dort wollten alle Klassen diesen Parcours ausprobieren. Das waren über acht Klassen. Leider hatten wir aber zu wenig Zeit“, fügt Ulrike Habermann hinzu. Ein neues Projekt mit anderen Schulen sei noch nicht geplant, aber gut vorstellbar.

Außerdem hofft die Lehrerin, dass viele Besucher am heutigen Samstag zum Schul fest kommen. Dieses bildet von 14 bis 18 Uhr den Abschluss der Projektwoche der Bodelschwinghschule in der Sommerhofenstraße.